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Die geheime Geschichte des Mossad — David Haddad — Éditions Revolu
Deutsche Bücher

Die geheime Geschichte des Mossad

Die « geheimen Verteidigungsoperationen » von 1948 bis heute

Pages 173
Langues Deutsch English
ISBN 9798340782564
Parution 30/09/2024
★★★☆☆ 3,6/5 — 4 avis
Format broché 12,50 €
Format numérique 6,99 €

Présentation

Wie baut ein Staat, der sieben Wochen alt ist und im Krieg steht, einen Nachrichtendienst auf? Dieses Buch erzählt siebzig Jahre israelischer Geheimdienstgeschichte als dokumentarische Rekonstruktion: von der Aufteilung des Nachrichtenwesens im Juni 1948 bis zur Entnahme iranischer Unterlagen aus einer Lagerhalle in Teheran im Januar 2018. Es folgt den Vorgängen, die bekannt sind — der Spur nach Buenos Aires, den zehn Minuten in der Garibaldi-Straße, München und dem, was danach kam, Entebbe, Osirak, Dubai —, und ebenso denen, die in Israel selbst als Niederlagen gelten: dem erschossenen Kellner von Lillehammer, der Warnung, die vor dem Oktoberkrieg niemand hören wollte, dem Anschlag in Amman, der zur Freilassung des Hamas-Gründers führte. Jede Operation wird dem Dienst zugeordnet, der sie tatsächlich geführt hat, jedes Datum genannt, jede strittige Zuschreibung als strittig ausgewiesen. Keine erfundenen Figuren, keine erfundenen Dialoge. Wer wissen will, wie im Verborgenen entschieden wird, was solche Entscheidungen kosten und wer sie bezahlt, findet hier fünfundzwanzig belegte Vorgänge — und die Fragen, die sie offenlassen.

Sommaire

Die Gründung (1948-1956)
Ben-Gurions Männer
Drei Dienste, ein Chaos
Der kleine Mann mit der großen Macht
Der ägyptische Fehlschlag
Die Rede, die Moskau erschütterte
Die Jagd und der Ruhm (1957-1967)
Eine Spur nach Buenos Aires
Zehn Minuten in der Garibaldi-Straße
Das verschwundene Kind
Die deutschen Wissenschaftler von Kairo
Der Mann, der Damaskus täuschte
Eine MiG für Israel
Sechs Tage, vier Jahre Vorbereitung
Das Blut und die Schuld (1968-1979)
Fürstenfeldbruck
Der Zorn Gottes
Der Kellner aus Lillehammer
Die Warnung, die niemand hören wollte
Vierzehn Stunden in Entebbe
Beirut, Januar
Die Bombe und die Fehltritte (1979-2000)
Der Reaktor, der nie ans Netz ging
Die Falle von Rom
Zwei Kanadier in Amman
Die Jahre der Stille
Der unsichtbare Krieg (2001-2018)
Zimmer 230, Dubai
Ein Wurm im Zentrifugensaal
Das Archiv aus Teheran
Quellen und Literatur

Extrait

Am 30. Juni 1948 unterzeichnete David Ben-Gurion in Tel Aviv eine Anordnung von wenigen Zeilen. Sie löste den Nachrichtendienst auf, der Israel in den Krieg geführt hatte, und verteilte seine Aufgaben auf drei getrennte Stellen. Der Staat war siebenundvierzig Tage alt. An seinen Grenzen standen die Armeen von fünf arabischen Staaten, und seit dem 11. Juni galt eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe, die niemand für dauerhaft hielt. In dieser Lage entschied der Regierungschef, den einzigen funktionierenden Apparat seines Landes zu zerlegen. Der Schai – die Abkürzung steht für Scherut Jedi‘ot, Informationsdienst – war der Nachrichtendienst der Hagana gewesen. Er hatte während der britischen Mandatszeit gearbeitet, illegal, mit Karteikarten in Privatwohnungen und Funkgeräten in Kellern. Seine Abteilungen beobachteten die Mandatsverwaltung, die arabischen Gemeinden, die konkurrierenden jüdischen Untergrundorganisationen und die eigenen Reihen. Er verfügte über Personal, über Erfahrung und über etwas, das in einem neu gegründeten Staat schwerer zu beschaffen war als Waffen: über Aktenbestände. Wer 1948 wissen wollte, welche Familien in einem galiläischen Dorf welche Verbindungen unterhielten, fand die Antwort im Schai. Der Schai war in Fachabteilungen gegliedert, die den Aufgaben eines Nachrichtendienstes im Untergrund entsprachen. Eine arabische Abteilung unterhielt Verbindungen in die Dörfer und Städte des Mandatsgebiets, beschäftigte Hebräisch und Arabisch sprechende Mitarbeiter und legte Bestandsaufnahmen über Bewaffnung, Führungsstrukturen und Feindschaften zwischen Familienverbänden an. Eine britische Abteilung beobachtete die Mandatsverwaltung, die Polizei und die Truppen, teilweise über jüdische Angestellte in britischen Dienststellen. Eine dritte Abteilung befasste sich mit den konkurrierenden jüdischen Untergrundgruppen Irgun und Lechi, die Ben-Gurion als Bedrohung der eigenen Autorität betrachtete. Hinzu kamen Spionageabwehr, Funkaufklärung und eine Abteilung für die Sicherung der illegalen Einwanderung. Als der Krieg im Mai 1948 in eine zwischenstaatliche Auseinandersetzung überging, arbeitete dieser Apparat weiter, aber unter veränderten Bedingungen. Aus einer Untergrundorganisation war eine Armee geworden, aus Ortsgruppen ein Staat mit Ministerien. Der Schai war für beides nicht eingerichtet. Seine Struktur folgte geografischen und thematischen Zuschnitten aus der Mandatszeit, nicht den Zuständigkeiten einer Regierung. Ben-Gurion misstraute genau dieser Konzentration. Der Schai war aus der Hagana hervorgegangen, die Hagana aus der Arbeiterbewegung, und ihre Kaderabteilungen waren von Parteibindungen durchzogen. Der Palmach, ihre Eliteformation, stand der linken Mapam nahe. Ein einziger Nachrichtendienst, der über die Personalakten des gesamten Landes verfügte und dessen Führung einer politischen Strömung zuneigte, war für den Regierungschef kein Instrument des Staates, sondern ein Risiko für ihn. Die Aufteilung vom 30. Juni war weniger eine Verwaltungsreform als eine Sicherungsmaßnahme. Drei Stellen entstanden. Die erste war die Nachrichtenabteilung der Streitkräfte, zuständig für militärische Aufklärung, für den Feind an der Front und für die Sicherheit der Truppe. An ihre Spitze trat Isser Be‘eri, ein Bauingenieur aus Galizien, der den Schai zuletzt geleitet hatte. Er war hochgewachsen, wortkarg und trug seinen Spitznamen ohne Widerspruch: Isser der Große. Die zweite war ein Dienst für die innere Sicherheit, zuständig für Spionageabwehr, Staatsschutz und die Überwachung politischer Gruppen im Inland. Ihn übernahm ein Mann von einem Meter zweiundsechzig, geboren 1912 in Witebsk, 1930 als Siebzehnjähriger nach Palästina eingewandert, seit den dreißiger Jahren im Schai. Er hieß Isser Harel. Um die beiden zu unterscheiden, nannte man ihn Isser den Kleinen. Der Beiname blieb an ihm haften, auch als er der mächtigste Beamte des Landes geworden war. Die dritte Stelle war die ungewöhnlichste. Die Auslandsaufklärung wurde nicht einer Behörde übertragen, sondern einer Abteilung des Außenministeriums: der Politischen Abteilung unter Boris Guriel, einem in Riga geborenen Offizier, der den Krieg in britischer Uniform verbracht hatte. Die Begründung war naheliegend. Israelische Diplomaten reisten legal, verfügten über Deckung und unterhielten Kontakte in europäischen Hauptstädten. Wer im Ausland Informationen beschaffen sollte, saß am besten in einer Botschaft. Die Folgen dieser Konstruktion zeigten sich innerhalb von Monaten. Die drei Stellen waren einander nicht untergeordnet. Sie berichteten an drei verschiedene Vorgesetzte – die Nachrichtenabteilung an den Generalstab, der innere Dienst an den Regierungschef, die Politische Abteilung an den Außenminister Mosche Scharet. Sie teilten ihre Erkenntnisse nicht. Sie warben einander Quellen ab. In europäischen Hauptstädten arbeiteten mitunter zwei israelische Netze nebeneinander, ohne voneinander zu wissen, und beide meldeten dieselbe Information als eigenen Erfolg nach Hause. Hinzu kam ein persönlicher Gegensatz, der die institutionelle Rivalität verschärfte. Scharet und Ben-Gurion vertraten unterschiedliche Auffassungen davon, wie der junge Staat seine Sicherheit organisieren sollte. Scharet setzte auf Diplomatie und auf Zurückhaltung, Ben-Gurion auf Handlungsfähigkeit und auf Abschreckung. Die Politische Abteilung gehörte dem einen, der innere Dienst dem anderen. Nachrichtendienstliche Zuständigkeitsfragen wurden damit zu Fragen der Regierungspolitik, und umgekehrt. Ein Mann sah die Schwäche früher als andere.
Auteur

David Haddad

David Haddad est un auteur reconnu pour ses recherches approfondies sur l'histoire contemporaine et les services de renseignement. Passionné par les arcanes du pouvoir et les opérations secrètes, il s'est spécialisé dans l'analyse des organisations d'État et des institutions influentes. Ses ouvrages, traduits en plusieurs langues, révèlent des aspects méconnus de l'histoire mo…

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